-
Die Republik der aufgeschobenen Zukunft
von Michael KnollIm aktuellen tiefen Tal der ökonomischen Depression Deutschlands gewinnt das Buch »Trügerischer Wohlstand« von Hartmut Berghoff eine besondere Qualität. Diese Wirtschaftsgeschichte der Berliner Republik seit 1990 zeichnet eine differenzierte Bilanz der ökonomischen Entwicklung Deutschlands seit der Wiedervereinigung.
-
Cowboy mit Heiligenschein
Seit 80 Jahren bringt Lucky Luke zum Staunen. Er zieht schneller als sein Schatten, spricht mit seinem Pferd und ist ein selbstloser Helfer in der Not. In seinem neuesten Abenteuer »Heiliger Lucky« wird der berühmteste Cowboy der Welt zur religiösen Ikone. Seinen Kultstatus bestätigen zudem eine Filmbox und ein Interviewband mit Zeichner Achdé, die zeitgleich zum Jubiläum erscheinen.
-
»Die Lücken« von Shida Bazyar ist der Roman des Jahres
Shida Bazyar wurde am Abend im Frankfurter Römer für ihren dritten Roman »Die Lücken« mit dem Deutschen Buchpreis 2026 ausgezeichnet. Kaleidoskopisch verarbeitet Bazyar darin die verdrängte und vertuschte Geschichte ihrer Heimatstadt aus postmigrantischer Perspektive.
-
Das Gefühl einer Utopie
In Israel wird Ende Oktober ein neues Parlament gewählt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die rechtsextreme Regierung unter Benjamin Netanyahu im Amt bleibt. Der in Berlin lebende Israeli Tomer Dotan-Dreyfus schildert in »Keinheimisch« seine eigenen Beklemmungen gegenüber dem Staat Israel, aber auch seiner Wahlheimat Deutschland. Seine schmerzhafte Selbstbefragung ist eine linke jüdische Intervention, die schonungslos mit jeder selbstgerechten Bequemlichkeit abrechnet. Und mit Joana Osman...
-
Politische Gewalt im Gerichtssaal
Der Regisseur Faraz Shariat hat mit »Staatsschutz« den Film der Stunde gedreht. Darin wechselt eine Staatsanwältin die Seiten und kämpft gegen rechte Netzwerke.
-
Eine körperliche Erfahrung
Die deutsche Geschichte scheint auserzählt, dabei gibt es immer noch Perspektiven, die in der etablierten Geschichtsschreibung kaum Platz finden. Mit Marion Kraft, Miriam Carbe und Tupoka Ogette verschaffen sich nun drei Schwarz gelesene Autorinnen aus drei Generationen Gehör, die ausgehend von ihrer (Familien-)Biografie der deutschen Wirklichkeit im 20. Jahrhundert nachgehen. Ihre Texte erzählen vom Alltagsrassismus und seiner folgenschweren Wirkung für Körper und Seele.
-
Souverän, verspielt, meisterhaft
Christian Hansen ist einer der besten Übersetzer Deutschlands. Roberto Bolaño, Alan Pauls, Julio Cortázar und César Aira hat er ins Deutsche gebracht. Nun wird seine jüngste Aira-Übertragung mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet und damit endlich auch ein Werk, das seit Jahren preisverdächtig unter dem Radar der großen Übersetzerpreise flog. Der Straelener Förderpreis geht an Wiebke Stoldt, die verblüffend souverän einen portugiesischen Klassiker ins Deutsche...
-
Die Poesie des Überlebens
Timea Tankós brillante Übersetzung von András Viskys Roman »Die Aussiedlung« wurde in diesem Jahr gleich mehrfach ausgezeichnet. Nachdem Sie beim Preis der Leipziger Buchmesse noch leer ausging, wurde sie Anfang Juli gemeinsam mit András Visky mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet. Kurz danach wurde ihr zudem der Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis zugesprochen.
-
Die dunkle Seite eines Klassikers
Percival Everett hat einen der berühmtesten amerikanischen Romane umgeschrieben. Sein Roman »James« ist ein Geniestreich, in dem er die populäre Geschichte von Huckleberry Finn aus der Perspektive des versklavten Jim erzählt.
-
»Ich habe überlebt, aber mein Herz ist tot«
Die syrische Journalistin und Bürgerrechtlerin Samar Yazbek hat in Katar mit Palästinenser:innen gesprochen, die schwerst verletzt oder als Begleitung von schwerst verletzten Kindern aus Gaza ausgeflogen wurden. Deren erschütternde Überlebensberichte zeichnen ein zutiefst verstörendes Bild des Gaza-Krieges.










